Buchung von Ad-Words gezielte Behinderung?

Liegt in der Buchung von Ad-Words eine gezielte Behinderung von Mitbewerbern vor

Eine Behinderung eines Mitbewerbers ist erst dann ein Verstoß gegen das Recht und damit ein Wettbewerbsverstoß, wenn die Handlung eine bestimmte Intensität aufweist. Nicht jede Beeinträchtigung hat aber diese Intensität. Vielmehr muss die Maßnahme darauf gerichtet sein, den ganz bestimmten Wettbewerber in seinem Handeln zu beeinträchtigten. Hierfür sind die Gesamtumstände entscheidend.


Hierzu muss man wissen, dass eine gezielte Behinderung eines Mitbewerber gemäß § 4 Nr. 10 UWG ein Verstoß gegen geltendes Recht ist. Dabei ist unter der Behinderung die Beeinträchtigung der wettbewerblichen Entfaltungsmöglichkeiten eines Mitbewerbers zu verstehen, die festgestellt werden muss und einer umfassenden Würdigung des konkreten Falles bedarf. Für eine Bejahung der Behinderung kann beispielsweise der Anlass, Zweck und Wirkung der Maßnahme herangezogen werden. Dieser Tatbestand kann durch verschiedene Handlungen verwirklicht werden.

Nachfolgend können Sie hierzu eine Entscheidung nachlesen, die sich mit dieser Thematik beschäftigt:

1. Das Oberlandesgericht Köln hatte jetzt einen Fall zu entscheiden, bei dem die spätere Antragstellerin Sanitärartikel auch unter einer Marke vertrieb. Inhaberin dieser Marke war die spätere Antragsgegnerin. Die Antragstellerin schaltete Google AdWord-Anzeigen zu dem Suchbegriff der Marke, um auf diese Weise für das Produkt zu werben. Im Folgenden legte die spätere Antragsgegnerin eine „Markenbeschwerde“ bei Google ein, um sich so vor Anzeigen von Plagiaten zu schützen. Daraufhin wurden die Aufträge der späteren Antragstellerin für die Ad-Word-Anzeigen nicht mehr ausgeführt. Zunächst hatte dann die spätere Antragstellerin die Markeninhaberin vergebens dazu aufgefordert, die Zustimmung zur Nutzung dieses Begriffs zu geben. Als dieser Versuch scheiterte, stellt die Antragstellerin bei dem Landgericht Köln einen Antrag auf einstweilige Verfügung dahingehend, dass der Antragsgegnerin untersagt wird, die Benutzung des Ad-Words zu verhindern. Diese einstweilige Verfügung wurde antragsgemäß erlassen, jedoch nach Widerspruch der Antragsgegnerin wieder aufgehoben. Hiergegen wendete sich die Antragstellerin mit der Berufung und dem Ziel, die einstweilige Verfügung wieder zu erlassen zu bekommen.

2. Das Oberlandesgericht Köln hat mit Urteil vom 02.07.2010 unter dem Aktenzeichen 6 U 48/10 das erstinstanzliche Verfügungsurteil aufgehoben und die Antragsgegnerin zur Unterlassung verurteilt. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass das Verhalten der Antragsgegnerin als Marktbehinderung im Sinne des § 4 Nr. 10 UWG zu werten sei. Dabei sei die gezielte Behinderung von Mitbewerbern eine Störung der wettbewerblichen Entfaltungsmöglichkeiten, die allerdings nicht bei jeder Störung vorliege. Dem Wettbewerb sei die Tatsache immanent, dass ein Teilnehmer den Vorsprung auf Kosten eines anderen erlangt. Für das Vorliegen dieses Tatbestandes seien daher noch weitere Voraussetzungen zu erfüllen. Dabei sei zwar eine absichtliche Störung nicht erforderlich. Abzustellen sei insoweit vor allem die objektive Wirkung der Maßnahme, die sich grundsätzlich nicht gegen einen konkreten Mitbewerber richten muss. Im vorliegenden Fall sei aber die Antragstellerin aufgrund der „Markenbeschwerde“ daran gehindert, die konkreten Produkte im Internet zu bewerben. Damit richte sich diese Beschwerde gegen alle, die mit Sanitärartikel handeln und damit auch gegen die Antragstellerin. Nach Ansicht des Gerichts wolle die Antragsgegnerin durch dieses Verhalten nicht ihren eigenen Wettbewerb fördern, sondern die wettbewerbliche Entfaltung der Antragstellerin beeinträchtigen.

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